Weine in der Kritik

Neben oder anstelle ausführlicher Degustationsnotizen treten häufig Weinbewertungen auf der Basis numerischer Skalen. International hat sich die 100-Punkte-Skala durchgesetzt, die allerdings von verschiedenen Verkostern unterschiedlich interpretiert wird. Zudem fließen in die Bewertungen eines Weines auch divergierende Ansichten über qualitätsbestimmende Faktoren ein. Während etwa ein Verkoster dem Reifepotenzial und der Herkunftstypizität eines Weines einen hohen Stellenwert einräumt, spielen diese Kriterien für einen anderen möglicherweise nur eine untergeordnete oder gar keine Rolle.

Aufgrund dieses Sachverhaltes gibt es kein »objektiv richtiges« Verkostungsergebnis. (Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass jeder degustatorische Faux-pas mit Hinweis auf den persönlichen Geschmack entschuldigt werden kann.) Jeder interessierte Weinfreund sollte stets kritisch die Weinbewertungen in den verschiedenen, ihm zugänglichen Publikationen hinterfragen und mit den eigenen Idealen und geschmacklichen Vorlieben abgleichen.

Die 100-Punkte-Skala von »Werner Elflein | Mein Weintagebuch« erläutert Ihnen folgende Übersicht:

0 bis 49 Punkte

Flüssigkeiten, bei denen es sich nicht wirklich um Wein, sondern vermutlich um hochgiftige Rückstände aus osteuropäischen Sondermülldeponien oder abgepumptes Kühlwasser aus französischen Kernkraftwerken handelt. Derartige Substanzen werden ausschließlich vom russischen Geheimdienst zur Beseitigung unliebsamer Journalisten eingesetzt und sind in der Weinkritik ohne jegliche Bedeutung.

50 bis 54 Punkte
Unverkennbar fehlerhafte Weine, die eine Gesundheitsgefährdung des Konsumenten darstellen. Derartige Weine kommen dank zeitgemäßer Weinbereitungsmethoden in der Praxis glücklicherweise so gut wie nie vor.

55 bis 59 Punkte
Deutlich fehlerhafte Weine, die zwar keine akute Gesundheitsgefährdung darstellen, beim empfindsamen Verkoster jedoch mehr oder weniger starke Ekelgefühle hervorrufen können. Derartige Weine kommen dank zeitgemäßer Weinbereitungsmethoden in der Praxis glücklicherweise selten vor.

60 bis 64 Punkte
Fehlerhafte Weine, die jedoch gesundheitlich völlig unbedenklich sind.

65 bis 69 Punkte
Mangelhafte Weine, die zwar nicht über gravierende Fehler verfügen, jedoch keinerlei Trinkfreude bereiten.

70 bis 74 Punkte
Weine von durchschnittlicher, akzeptabler Qualität, die geringe Trinkfreude bereiten.

75 bis 79 Punkte
Weine von überdurchschnittlicher, befriedigender Qualität, die zwar kein außerordentliches Geschmackserlebnis bieten, aber dennoch in bestimmten Situationen Trinkfreude bereiten können.

80 bis 84 Punkte
Gebietstypische Weine von guter Qualität, die Trinkfreude bereiten und über ein angemessenes Reifepotenzial von mehreren Jahren verfügen.

85 bis 89 Punkte
Regionaltypische Weine von sehr guter Qualität, die ein gehobenes Maß an Trinkfreude bereiten und mindestens über ein Reifepotenzial von fünf Jahren verfügen.

90 bis 94 Punkte
Herkunftsgeprägte Weine von hervorragender Qualität, die ein hohes Maß an Trinkfreude bereiten und mindestens über ein Reifepotenzial von zehn Jahren verfügen.

95 bis 99 Punkte
»Terroir«-geprägte Weine von herausragender Qualität, die ein überaus hohes Maß an Trinkfreude bereiten und mindestens über ein Reifepotenzial von fünfzehn Jahren verfügen.

100 Punkte
In ihrer Komplexität kaum mehr mit Worten zu beschreibende Weine von überragender Qualität, die höchste Trinkfreunde bereiten. Nicht selten verfügen diese Weine über ein Reifepotenzial, das die Lebensspanne eines Menschen übersteigt.

Nicht immer sind die äußeren Umstände einer Verkostung geeignet, um der Individualität eines Weines in vollem Umfang gerecht werden zu können. Beispielsweise ist es im Rahmen von größeren Präsentationen in der Regel nicht möglich, einem Wein über mehrere Stunden hinweg die ihm gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. In Einzelfällen kann daher eine spätere Nachverkostung durchaus zu einer signifikanten Korrektur der Prognose und der vorläufigen (kursiv gedruckten) Punktebewertung führen.

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