Günther Steinmetz: Weltklasse, auch ohne VDP-Adler

Veröffentlicht am 2. Juli 2016 in der Rubrik »Degustation«

In kaum einem anderen deutschen Weinbaugebiet gibt es so viele aufstrebende Winzertalente wie an der Mosel. Immer wieder lassen neue oder bisher unbekannte Weingüter mit hervorragenden Weinen aufhorchen. Nicht allen kommt diese Entwicklung gelegen. Sie sähen lieber das Leistungsgefüge der Neunzigerjahre weiterhin in Beton zementiert und die Betriebe des VDP Mosel einsam und allein an der Spitze. Dass die meisten der im VDP organisierten Weingüter jedoch längst nicht mehr die Crème de la Crème des deutschen Weinbaus darstellen, wird jedoch immer offenkundiger. Dies gilt nicht nur für die Mosel, sondern auch für die meisten anderen deutschen Anbaugebiete. Doch anstatt die fälligen Reformen einzuleiten, ziehen sich die Verbandsmitglieder lieber in ihre Trutzburg zurück. Den amtierenden Vorsitzenden des VDP Mosel, Egon Müller und Nik Weis, war das vergangene Woche zu viel. Beide haben inzwischen endgültig den Kaffee auf und erklärten ihren Rücktritt. Nik Weis wurde dabei wohltuend deutlich: »Wenn wir schon darauf verzichten, qualitativ schwächeren Mitgliedern die Mitgliedschaft aufzukündigen, dann müssen wir wenigstens die besten aufnehmen.« (Quelle: Falstaff)

Die besten aufnehmen? Gute Idee. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Weingut Günther Steinmetz in Brauneberg?

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Geschichte der Leistungsexplosion in diesem Betrieb wirklich so stimmt, wie ich sie wahrnehme. Denn sehr gute Weine macht Stefan Steinmetz nicht erst seit zwei/drei Jahren. Ziemlich sicher bin ich mir jedoch darin, dass hier inzwischen mit großer Regelmäßigkeit einige der feinsten Rieslinge Deutschlands erzeugt werden. Dies gilt nicht mehr nur für den geschmacklich trockenen Bereich. Bereits 2014 waren die fruchtsüßen Exemplare beeindruckend (hier muss Stephan Reinhardt vom Wine-Advocate wirklich noch einmal auf die Schulbank). Und 2015 hat Stefan Steinmetz die sich ihm bietenden Möglichkeiten genutzt, um eine wahre Weltklasse-Kollektion auf den Tisch zu stellen. Ganz ohne Federvieh auf der Flaschenkapsel.

In seiner Saftigkeit erinnert mich der Brauneberger Riesling an den 2012er, wenngleich er in vergangenen Jahr ein wenig leichter auf der Zunge wirkt. Der Wintricher Geierslay Riesling »sur lie« erscheint mir diesmal weniger von der Hefe geprägt als sonst. Die Herkunftstypizität der Lagen-Rieslinge ist so ausgeprägt, dass ich mir vorgenommen habe, sie im kommenden Jahr einmal verdeckt zu verkosten, um mir die Unterschiede zwischen den einzelnen Böden und Klimaten noch besser vor Augen zu führen. Erstmalig wird dann wohl auch ein Wein aus dem Neumagener Rosengärtchen, einer weiteren Spitzenlage an der Mittelmosel, dabei sein. Eine Lage, auf die mich persönlich schon sehr freue. Neben den geschmacklich-trockenen Rieslingen steht in diesem Jahr eine Phalanx fruchtsüßer Spätlesen, die weltweit zu den besten ihrer Art gehören.

Die Weine im Überblick:

2015er Pinot blanc »Maischevergoren« 89
2015er Brauneberger Riesling 87
2015er Veldenzer Grafschafter-Sonnenberg Riesling »Alte Reben« 92
2015er Wintricher Geierslay Riesling »sur lie« 89
2015er Kestener Paulinshofberg Riesling 92
2015er Dhroner Hofberg Riesling 89
2015er Brauneberger Juffer »HL« Riesling 90
2015er Piesporter Goldtröpfchen Riesling »GP« 95
2015er Wintricher Ohligsberg Riesling »GW« 96
2015er Dhroner Hofberg Riesling »GD« 97
2015er Piesporter Treppchen Riesling »Terrassen« 98
2015er Brauneberger Juffer Riesling Kabinett feinherb 92
2015er Veldenzer Grafschafter-Sonnenberg Riesling feinherb »Alte Reben« 95
2015er Wintricher Ohligsberg Riesling Spätlese 92
2015er Brauneberger Juffer Riesling Spätlese 94
2015er Piesporter Goldtröpfchen Riesling Spätlese 96
2015er Kestener Paulinsberg Riesling Spätlese Goldkapsel 97
2015er Brauneberger Juffer-Sonnenuhr Riesling Spätlese Goldkapsel 98
2015er Mülheimer Sonnenlay Riesling Auslese 92

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