Weißburgunder: Kann der was?

Veröffentlicht am 23. Dezember 2014 in der Rubrik »Degustation«

International ist es der Riesling (und zunehmend der Spätburgunder), dem der deutsche Wein seinen exzellenten Ruf verdankt. Doch fährt der deutsche Durchschnittsverbraucher nach wie vor vor allem auf die weißen Burgundersorten ab. Gastronomen haben den Grauburgunder für sich entdeckt. Auf vielen Weinkarten ist der Riesling im offenen Ausschank überhaupt nicht vertreten.

Weiß- und Grauburgunder haben es sogar geschafft, vom VDP als Rebsorten für das Große Gewächs anerkannt zu werden. Böse Zungen behaupten, dies sei nur dem Umstand ihrer wirtschaftlichen Bedeutung geschuldet, denn qualitativ könne weder der Weiß- noch der Grauburgunder dem deutlich hochwertigeren Chardonnay das Wasser reichen. Bekanntlich ist der Chardonnay nicht als Rebsorte für das Große Gewächs zugelassen. Was ähnlich unverständlich ist, wie im Falle des von deutschen Winzern leider sehr vernachlässigten Gewürztraminers.

Bei den weißen Burgundersorten gestaltet sich bereits die Suche nach der Rebsortentypizität schwierig. Besonders unter den Basisweinen werden Weiß- und Grauburgunder nicht selten durch kellertechnische Eingriffe Aromatiken aufgezwungen, die mit den eigentlichen Rebsorten kaum noch etwas zu tun haben. Grauburgunder im Sauvignon-blanc-Stil, aufdringlich-florale Weißburgunder – oft eher die Regel als die unrühmliche Ausnahme.

Im Folgenden möchte ich eine Auswahl von Weißburgundern präsentieren, die aus der Masse herausragen und zeigen, dass aus der Rebsorte durchaus anspruchsvolle Weine entstehen können. Und zwei Chardonnays als Sparringspartner.

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Weinreuter, Leingarten

2013er Leingartener Grafenberg Weißburgunder trocken
A. P. Nr. 546 2 14

Blassgelb mit leuchtendem Weißgold. Zart buttrig anklingender Duft, im Bukett nicht aufdringliche, aber deutliche Aromen von Zitrus und Zitronengras. Frische Säure. Recht konzentriert, die 13% vol. Alkohol sind hervorragend verpackt. Hält lange an.
87

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A. Waigand, Erlenbach

2011er Erlenbacher Hochberg Weißer Burgunder Spätlese
A. P. Nr. 1049 15 12
86

2012er Erlenbacher Hochberg Weißer Burgunder Spätlese trocken
A. P. Nr. 1049 11 13
88

Der 2011er im »Off-dry«-Bereich, buttrige Fülle, sehr kräftig, mit leicht spürbarem Alkohol, der 2012er hingegen würzig-mineralisch, animierend, mit erkannbaren Herkunftsattributen.

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Stern, Hochheim

2013er Chardonnay trocken ***
A. P. Nr. 5040118 29 14

Hochfarbig, üppig-auslandende Art, scheut die Säure. Scheint zudem Botrytismaterial zu enthalten. Würzig, sehr gute Länge.
82

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Ludwig Thanisch & Sohn, Lieser

2013er Weißburgunder (Pinot blanc) trocken
A. P. Nr. 2589227 3 14

Im Frühjahr noch um gut vier Punkte schwächer gesehen, avanciert Jörg Thanischs Weißburgunder zum »Sieger der Herzen«. In sich stimmig, ausgewogen, feiner Limettenduft, leicht buttrig. So, wie ich mir einen guten Weißburgunder vorstelle.
87

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Wolf, Birkweiler

2012er Birkweiler Mandelberg Chardonnay trocken »Tonstein«
A. P. Nr. 5012146 12 13
89

2012er Birkweiler Kastanienbusch Weißer Burgunder trocken »Muschelkalk«
A. P. Nr. 5012146 12 13
90

Die ersten beiden Plätze der Verkostung gehen an Matthias Wolf in Birkweiler. Der Chardonnay sehr kräftig und mit ätherischer Komponente, gut ausbalanciert und von Zitrusaromem gesprägt, der Weiße Burgunder ebenfalls ätherisch, hat die 14% vol. Alkohol gut integriert und zeigt im Mund eine beeindruckende Präsenz.

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Bisher 1 Kommentar
  1. Sven Weise schrieb am 30. Dezember 2014 um 22:15 Uhr:

    Ich möchte gerne darauf hinweisen, dass Chardonnay in bestimmten VDP-Landesverbänden wie Baden als GG zugelassen. Es gibt sehr gute Examplare dazu vom Weingut Wöhrle (Lahr) und Dr. Heger (Ihringen). Ausserdem haben meiner Ansicht nach, viele Weiß-/Grauburgunder GGs aus Baden und der Pfalz die Berechtigung, als große Weine dieser Rebsorten betrachtet zu werden.

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