Stiftung Warentest und die Rotweine aus dem Discounter

Veröffentlicht am 3. Dezember 2011 in der Rubrik »Meinung« | Bisher keine Kommentare

»Blaurot. Deutlich in Geruch und Geschmack. Fruchtig (Johannisbeeren, Schattenmorellen, Pflaume). Betonte Säure, leicht bitter. Noch ausgewogen, jung.« Was sich hier wie eine Aneinanderreihung überwiegend belangloser Hohlphrasen liest, soll in Wirklichkeit die Verkostungsnotiz eines guten Rotweins darstellen. Und obwohl es die Verkoster in ihrer recht oberflächlichen Notiz unterlassen haben, das Bukett differenzierter als in Form einer bloßen Aufzählung diverser Fruchtaromen zu beschreiben, explizit auf die Qualität der Tannine einzugehen und wesentliche Strukturparameter wie Länge, Tiefe oder Nachhaltigkeit anzusprechen, sind die verbleibenden Aussagen durchaus geeignet, dem geneigten Leser den Eindruck einer eher unterdurchschnittlichen Weinqualität zu vermitteln. Weiterlesen »

15 Grad Celsius bitte, ihr Banausen!

Veröffentlicht am 21. Oktober 2011 in der Rubrik »Meinung« | 1 Kommentar

Neulich in einem Restaurant mit angeschlossenem Hotel im Düsseldorfer Norden, unweit der Messe. Aufgrund der für die Jahreszeit ungewöhnlich sommerlichen Abendtemperaturen platziert uns der blasiert wirkende Jungkellner auf der überdachten Terrasse. Meinen Hinweis, dies sei bei der Tischreservierung nicht so besprochen worden sei, verbinde ich implizit mit der Erwartung, er würde uns noch einen anderen Tisch im Innenraum anbieten. Doch weit gefehlt. »Bei diesem Wetter decken wir nur draußen ein«, lautet seine flapsige Antwort, die mich unter anderen Umständen — meine Begleiterinnen und Begleiter schätzen im Gegensatz zu mir das Essen im Freien — zum sofortigen Verlassen der Lokalität bewogen hätte. Ich beschließe, mir den Abend nicht vermiesen zu lassen, und hoffe — wenn schon der Service offensichtlich mit einem Grobdilettanten besetzt ist — zumindest auf eine ansprechende Küchenleistung und eine adäquate Weinauswahl. Weiterlesen »

Mineralität! — Qu’est-ce que tu dis?

Veröffentlicht am 3. Juni 2011 in der Rubrik »Meinung« | 1 Kommentar

Die Weinberge von Iphofen kenne ich seit meiner Kindheit. Fränkischer Silvaner war vermutlich der erste Wein, den ich als Jugendlicher zu trinken bekam, und der nicht unerheblich zu meiner späteren Leidenschaft beigetragen hat. Ich weiß, was geschieht, wenn ich während eines oder nach einem Regen durch den hängigen Kronsberg oder den steilen Julius-Echter-Berg gehe. Meine Schuhabsätze werden, dank der überragenden Wasserspeicherfähigkeit des Gipskeupers, zunehmend höher. Ich weiß, wie ein Silvaner schmeckt, beziehungsweise, wie er zu schmecken hat, wenn die Aromatik der Trauben von diesem Boden geprägt werden. Das Problem: Ich kann Letzteres anderen inhaltlich nicht einmal ansatzweise vermitteln. Weiterlesen »

Schluss mit dem Terroir?

Veröffentlicht am 28. April 2011 in der Rubrik »Meinung, Satire« | Bisher keine Kommentare

AIDA. Attention — Interest — Desire — Action. Das gute alte Werbewirkungsprinzip findet in H. O. Spaniers Artikel in der WELT seine gekonnte Umsetzung.

Attention: Bereits mit der Überschrift »Schluss mit dem Terroir!« und dem Aufmacher (»Ob ein deutscher Wein gut und besonders ist, liegt nicht am Boden, sondern in den Händen des Winzers.«) wird dem Leser eine provokante These entgegengefeuert. War doch das Wörtchen »Terroir« über zehn Jahre lang in der Weinwelt als das Modewort schlechthin in aller Munde. Und jetzt, nachdem sich der Weintrinker so langsam daran gewöhnt zu haben scheint, dass ihm viele Winzer belanglose Tropfen unter dem Deckmäntelchen des »Großen Gewächses« für einen horrend hohen Preis als Terroirweine andrehen, soll plötzlich damit Schluss sein? Das darf doch nicht wahr sein! Weiterlesen »

Der »günstige Opus One« als Mittel der Volksverblödung

Veröffentlicht am 21. April 2011 in der Rubrik »Meinung« | 1 Kommentar

Es mutet unfreiwillig komisch an, wenn Martin S. Lambeck, der in diversen Publikationen des Axel-Springer-Verlags unter anderem die Rolle eines Weinkritikers spielt, ausgerechnet in seiner »Bild«-Kolumne über den kalifornischen Kultwein »Opus One« schreibt. Erstens verfügt der durchschnittliche Leser dieser Zeitung gerade einmal über so viel Verstand, um einen Weißwein von einem Rotwein unterscheiden zu können, und zweitens muss die Frage erlaubt sein, welches Wein-Weltbild hier versucht wird, bildungsfernen Schichten unterschwellig einzuimpfen. Weiterlesen »

Ahr: Nicht alles Goldkapsel, was glänzt

Veröffentlicht am 15. April 2011 in der Rubrik »Meinung« | Bisher keine Kommentare

Innerhalb von 20 Jahren ist die Ahr zu den bedeutendsten Anbaugebieten für Spätburgunder aufgestiegen. In kaum einer anderen Region Deutschlands werden — sofern es die launische Diva unter den Rebsorten und die Jahrgangsbedingungen zulassen — regelmäßig und in größerer Zahl feinere Pinots erzeugt. Selbstverständlich gab es während dieser rasanten Entwicklung auch Rückschläge. Doch inzwischen haben die Spitzenerzeuger zwischen Bad Neuenahr und Altenahr gezeigt, dass sie entgegen der Skepsis vieler lernresistenter frankophiler Weinliebhaber, die noch immer unreflektiert Burgund zum Heiligen Gral des Pinot noirs erheben, sehr wohl in der Lage sind, langlebige und entwicklungsfähige Rotweine zu erzeugen. Weiterlesen »

Restzuckerdebatte

Veröffentlicht am 12. September 2010 in der Rubrik »Meinung« | 2 Kommentare

Seit einigen Tagen häufen sich in der Weinbloggerszene und bei Facebook die Stimmen einzelner Trocken-Muezzins, die den vermeintlich oft zu hohen Süßegrad trockener Rieslinge, speziell der 2009er, anprangern. Eine kleinkarierte, bornierte Debatte über analytische Restzuckerwerte zu führen und allein den Weinerzeugern den Schwarzen Peter zuzuschieben, ist jedoch alles andere als zielführend und stellt eine unzulässige Verkürzung der in Wahrheit weitaus komplexeren Problematik dar. Weiterlesen »

Verdeckt oder offen?

Veröffentlicht am 4. Juni 2010 in der Rubrik »Meinung« | Bisher keine Kommentare

Vor geraumer Zeit hatte ich in einer Antwort auf eine Leserzuschrift angekündigt, einmal zu einer Frage Stellung zu beziehen, die nicht selten (zurecht oder nicht) zur Gretchenfrage erhoben wird, wenn es um das professionelle Verkosten von Wein geht, nämlich die Frage, ob Verkostungen grundsätzlich verdeckt stattfinden sollten, oder nicht. Der Gault-Millau WeinGuide widmet sich dieser Streitfrage in seiner 2010er Ausgabe. Weiterlesen »

Die »Methode Geisenheim« — oder: Nichts Neues im Westen

Veröffentlicht am 3. November 2009 in der Rubrik »Degustation, Meinung« | 5 Kommentare

»Den Geschmack seiner Kunden zu kennen ist im Weingeschäft das A und O. Eine aktuelle Studie der Forschungsanstalt Geisenheim im Auftrag des Weinverbandes Bordeaux & Bordeaux Supérieur erleichtert Ihnen jetzt, die passenden Weine dieser Appellationen für Ihre Kunden zu entdecken.« — soweit die Website des Verbands. Weiterlesen »

Baden und Württemberg 2009: »Aufsäuern« erlaubt

Veröffentlicht am 23. September 2009 in der Rubrik »Meinung« | 4 Kommentare

Jetzt ist es amtlich: Nach 2003 dürfen die Winzer in den südlichen deutschen Anbaugebieten Baden und Württemberg auch den Mosten und Weinen ihres Jahrgangs 2009 Weinsäure zusetzen. Angeblich, weil die Säurewerte in einigen Regionen recht niedrig lägen. Weiterlesen »

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